Historie

Unsere Quellenangaben:

 

Der Lebensraum von Oberbrügge-Ehringhausen in Vergangenheit und Gegenwart, Band I & II

 

Autoren: Alfred Brenne und Klaus Fastenrath

Ehringhausen im Jahre 1950 - noch mit Steigerturm der Feuerwehr im Bild
Ehringhausen im Jahre 1950 - noch mit Steigerturm der Feuerwehr im Bild

Entstehung der Siedlung Ehringhausen

Ehringhausen ist eine bäuerliche Siedlung und unterscheidet sich damit wesentlich von seinem Nachbarort Oberbrügge. Sie liegt nicht in den Talauen, sondern steigt auf die Höhen. Die Siedlungsforscher rechnen den Ort zu den bekannten -inghausen-Namen. Bei einem kartenmäßigen Lagevergleich kam man zu der interessanten Feststellung, daß man für diese Orte in unserem Bereich eine mittlere Höhenlage von 262 Metern annehmen kann. Zum andern sind die -inghausen-Siedlungen durchweg  in der der sogenannten 3. grossen Rodungsperiode entstanden, was man auch von folgenden Orten vergleichsweise weiß: Ehringhausen bei Breckerfeld, Ehringhausen im Westerwald, Ehringhausen bei Remscheid. Dieser letztere hieß 1369 Ehrekusen, 1469 Ehrenkusen und wird als -inghausen von dem Personen-Namen (Pn) Eri abgeleitet. Es gab auch den Pn Ero. Da in diesen Jahrhunderten (13 & 14J) die -inghausen-Orte schon zahlreich waren, natürlich vergleichsweise mit anderen Landschaften, können wir auch für unseren Ort diese Entstehungszeit ansetzen. Der frühe Stationsname Vollme-Ehringhausen wurde 1892 von der Reichsbahn eingesetzt, hat also keine historische Bedeutung.

 

Alte Flurnamen, von Geschlecht zu Geschlecht vererbt, geben uns aber auch Hinweise. Wir lesen im Urkataster von 1830 etwa 300 m nördlich von Ehringhausen auf Höhe 372 den Flur/Waldnamen Erlinge. Er deutet auf den Besitz des Siedlers Eri oder Ero hin, wobei -ling als Geschlecht-Name zu werten ist.

In Flur 16 finden wir ferner die Flurnamen Hunds- und Staklenberg. Ihre Erklärung deutet nach Einschätzung der Autoren drauf hin, daß wir uns hier im fränkisch-sächsischen Grenzbereich befinden. Um es kurz zu sagen: Schon ins 7./.8. Jahrhundert kann die Entstehung des Namens Ehringhausen rückdatiert werden. A. Jung setzt sogar die Zeit zwischen 509 und 538 n. Chr. an. Im Propstei-Register des Klosters Werden wird unser Ehringhausen zwischen 1125 und 1138 n. Chr. gleich 3mal genannt. Damit dürfte die Siedlung mindestens ebenso alt sein wie die Vömmelbach, wahrscheinlich noch älter.

 

Bei der Anlage von Siedlungen nutzte man die über die Höhen führenden Durchgangsstrassen (alte W-O-Verbindungen) aus, blieb in ihrer Nähe und suchte dabei nach geeigneten Quellmulden (Siepen, Siefen). Der heutige Name Heerstrasse und desgleichen Herweg bedeutet keineswegs eine Heerstrasse für Kriegerscharen. Er bedeutet vielmehr: her = har = steiniger Ort, das ist die Strasse über steinige Höhen. Wir haben also eine interessante Entstehungsgeschichte vor uns.

 

 

Oberbrügge 1956
Oberbrügge 1956